Wellness - Ein schillernder Begriff
Ein erster Blick in den Wikipedia-Artikel gibt nicht viel dazu her, er scheint eher stiefmütterlich behandelt worden zu sein. Immerhin erfahren wir, dass der Begriff seine Wurzeln im 15. Jahrhundert als “wealnesse” hat, was als gute Gesundheit zu verstehen ist. Wir lesen weiter von einem Lebensstil-Konzept, der Werbeindustrie und etwas Esoterik, das war es auch bereits. Auch dieser Artikel kann nur aus einer subjektiven Nische heraus beschreiben, was mit Wellness gemeint, oder auch nicht gemeint sein könnte.
Ein Blick in die Supermärkte bestätigt den Hinweis auf die Werbeindustrie. Erfrischungsgetränke mit Grüntee-Extrakten stehen neben dem Tchibostand mit Ying-Yang-Sets aus Seegurken-Schubbel-Schwämmen und duftender Seife. Das große Regal mit den Nahrungsergänzungsmitteln lässt darauf schließen, dass es sich um gern gekaufte Produkte handeln mag. Ob diese nun in versprochener Weise wirksam sein mögen, steht auf einem anderen Blatt, vermutlich wären die Produkte bei messbarer Wirksamkeit auch den Apotheken vorbehalten. So steckt die Nahrungs-Wellness also eingeklemmt in der Nische zwischen Öko-Food und Medikamenten und muss dann halt mit Marketing glänzen.
Auch die Esoterik ist auf den Wellness-Zug aufgesprungen. Ehemals eine Geheimlehre, die nur wenigen auserwählten, besser gesagt anstrengungsbereiten zugänglich war, ist sie nun in aller Munde und soll den kirchenmüden und stressgeplagten Massen eine an- und abschaltbare Erlösung bringen.
Hier ist die Nische nicht so klar auszumachen. Neben Workshopangeboten finden sich Lebensberatungsangebote, die, so wird auf den Flyern geflissentlich hingewiesen, keinen Arzt oder Psychotherapeuten ersetzen. Dieser Hinweis würde vielleicht fehlen, wenn da nicht die Angst vor dem Kadi, oder den noch viel unangenehmeren weil abmahnfreudigen Wadenbeißer-Advokaten wäre. War die Esoterik noch vor wenigen Jahren eher staubig bis sperrig, und deren typischer Vertreter noch auf weiten Abstand erkennbar, ist mit der Verbindung zum Wellnessbegriff der Funken auf die Allgemeinheit übergesprungen: In welchem Seminarhaus steht kein Krug mit Bergkristallwasser, das aufgrund der fröhlich gründelnden und keimenden Quarzklumpen seine zweifelhafte Energie an Wasser und Konsumenten abgibt. Neben solchen eher ungesunden Auswüchsen gilt jedoch auch hier: Wirkung wäre strafbar, so bleibt also nur der Glaube an die Beliebigkeit statt spirituellem Tiefgang.
So schimmert der Schein der Salzkristall-Lampe wohl noch eine ganze Weile weiter diffus im Raum und das Verständnis von Wellness bleibt ungeklärt, bzw. es bleibt halt das , was man aus ihm macht. Letztlich ist er ein Ausdruck unserer Kultur und Gesellschaft und ihrer Zerrissenheit zwischen paradiesischer Harmonie und Tayler´schem Fortschrittsgeist. Es bleibt wohl mal wieder dem Einzelnen überlassen, wofür er seine Energie, sprich seine Aufmerksamkeit, Zeit und Kohle investiert, um sich so zu fühlen, wie es ihm beliebt.