Mit ‘Achtsamkeit’ getaggte Artikel

Erdung und Flow

Dienstag, 12. Mai 2009

Der Begriff Erdung kommt eigentlich aus der Elektrotechnik, ist jedoch in den allgemeinen Sprachgebrauch gewandert, um eine situationsangemessene Bezogenheit aufs Wesentliche auszudrücken. Das selbe Bild findet sich im Begriff der Bodenständigkeit und auch im Abgehobensein.

Das Bewusstsein – Eine relativ moderne, doch leider noch im Experimentalstadium befindliche Errungenschaft der Evolution. Zumindest erscheint es manchmal so: Es ermöglicht uns einerseits, die Aufmerksamkeit auf Dinge zu richten, die sich zu dieser Zeit gar nicht an diesem Ort befinden. Es erlaubt uns, die Gedanken schweifen zu lassen, uns auf etwas zu freuen zu träumen…


Andererseits kam mit dem Bewusstsein auch Sorge, Befürchtung und Enttäuschung über Dinge, die vielleicht niemals eintreten werden. Oder das Bewusstsein verselbstständigt sich sogar und verdichtet sich zu einem Mahlwerk obsessiver Gedanken…

Der Hypnotherapeut Stephen Wolinsky sagte sogar, dass unser ganzer Alltag eine einzige Aneinanderkettung von Trancezuständen ist, in dem unser Bewusstsein von der Erinnerung zur Planung, von der Versunkenheit in die Sorge und vom Phantasieren zum Konstruieren springt – doch nur selten wirklich in der Gegenwart ist.

Der einzige Ort, an dem sich unser Körper befinden kann, ist die Gegenwart. Soll unser Bewusstsein also über das simple Gebrauchen des Körpers als Werkzeug hinaus gehen, muss es sich ebenfalls in der Gegenwart befinden. Ist das Bewusstsein nun im Körper verankert, und handelt dabei situationsangemessen und entscheidungsfreudig, so sind wir dem Zustand der Erdung schon recht nahe.

Das Maximum an Geerdet-sein wird auch “Flow” genannt, ein völliges Aufgehen in der augenblicklichen Handlung. Flow stellt sich ein, wenn wir dem eigentlichen Handlungsablauf keine Aufmerksamkeit mehr schenken müssen, weil wir gut darin geübt sind. Z.B. wird sich Flow-erleben beim Klavierspielen erst einstellen, wenn wir es perfekt beherrschen, uns keine Gedanken mehr über die Fingerhaltung mehr machen müssen. Jedoch ist mit Flow kein mechanisches Abspulen von Handlungsroutinen gemeint, sondern ein beteiligt sein der ganzen Person.

Eine guter Weg in die Erdung sind Achtsamkeitsübungen. Achtsamkeit ist ein Zustand schwebender Aufmerksamkeit, in der das Bewusstsein nicht auf einen einzelnen Gegenstand konzentriert ist, sondern in intensiver Weise all das einschließt, das in diesem Augenblick geschieht. Eine schöne Achtsamkeitsübung stellt Bernd Franzen in seinem Blog vor:

Eine Übung kann z.B. sein sich hinzusetzen, die Augen zu schließen und mit dem Körper Kontakt aufzunehmen. Spüren wo der Körper den Boden oder Stuhl berührt, wo die Hände sind, die Füsse. Spüren wo die Kleider den Körper berühren. Zwei, drei Minuten mit dieser Übung sollte schon reichen.

Nach einer solchen Übung sind sich Kopf und Körper ein ganzes Stück näher gekommen, ein Gefühl des Erfrischtseins macht sich breit. Einmal gespürt, worum es geht, kann dieser angenehme Zustand auf alle möglichen Handlungen des Alltags (so auch auf die 5-Minuten-Pause im Büro) übertragen werden – besonders anfangs liegt hier in der Ruhe die Kraft. Es ist eine ganz neue Erfahrung, in vollem Gewahrsein die Wäsche aufzuhängen und macht Lust auf mehr. Mit etwas Übung kommt man dann aus jeder Tätigkeit heraus, egal mit welchen Kleidern, egal in welcher Gesellschaft in diesen angenehmen Zustand.


Das absichtslose Handeln

Sonntag, 26. April 2009

In der progressiven Muskelentspannung gelingt die Entspannung im Wesentlichen durch den Wechsel zwischen körperlicher Anspannung und Entspannung, dem Wechsel zwischen Tun und Nicht-Tun. Wird dieses Wechselspiel transzendiert und über körperliche Übungen hinaus als Lebensphilosophie verstanden, so ergibt sich etwas Neues: Das absichtslose Handeln, das im taoistisch-buddhistischen als Wu Wei bezeichnet wird. Die Verinnerlichung und methodische Anwendung dieser inneren Haltung bringt ein hohes Maß an Lebenszufriedenheit und Ausgeglichenheit mit sich.