Was ist Gesundheit?

09. Mai 2009 von Andreas

Jeder weiß: In einem gesunden Körper steckt ein gesunder Geist. Oder andersherum? Auf jeden Fall gehört beides untrennbar zusammen und ein angemessener Gesundheitsbegriff sollte, wie man so schön sagt: ganzheitlich sein und die verschiedenen Ebenen des menschlichen Daseins betrachten. In diesem Themenüberblick soll der Gesundheitsbegriff anhand von Modellen anschaulich erläutert werden.

Physische Gesundheit

Das biomedizinische Modell der Gesundheit bezieht sich auf die biologische Ebene, Gesundheit kann hier als eine Abwesenheit von Krankheit gesehen werden. Eine Krankheit ist dabei eine Art Objekt, die zum eigentlich gesunden Körper dazu kommt. Der physische Körper kann dabei als eine Art Maschine verstanden werden, und Krankheit als ein Defekt eines Maschinenteils.

Seine Wurzeln hat dieses Modell in den Entdeckungen des 19. Jahrhunderts von z.B. Koch und Pasteur: Es stellt sich heraus, dass Bakterien die Ursache von Infektionskrankheiten sind. Vor diesen Entdeckungen vermutete man Zufall und göttliche Einmischung als Ursache dieser Erkrankungen, die Entdeckung der Keime als Ursache war ein erster Schritt zur wirksamen Behandlung von Infektionserkrankungen.


Was für Infektionskrankheiten zutreffend ist, wird im allgemeinen Sprachgebrauch auch auf Nicht-Infektionskrankheiten gemünzt: Zu sagen, “ich hatte einen Schlaganfall” oder “ich habe einen Reizdarm” ist eigentlich absurd, denn einen Schlaganfall als solchen gibt es nicht, nur ein System von Gehirn und Blutgefäßen, das unter widrigen Umständen seine Funktion einbüßt. Das biomedizinische Gesundheitsmodell sagt also: “Gesundheit ist Abwesenheit von Erkrankung”.

Die angesprochene sprachliche Ungenauigkeit führt auch die Gesundungsmotivation in eine ungünstige Richtung. Zu sagen: “Peter ist ein Depressiver” schafft nicht nur ein Krankheitsobjekt (wie beim Beispiel des Schlaganfalls), sondern reduziert den Patienten auf seine Krankheit und lässt keinen Raum für das Ursachengeflecht und die vielschichtigen Konsequenzen, im Beispiel wird Peter sprachlich auf seine depressive Störung “festgenagelt”.

Wegen dieser und anderer Probleme, wie z.B. dass Menschen sich auch dann krank fühlen können, wenn keine Krankheit diagnostizierbar ist.), wurden weitere Gesundheitsmodelle ausgearbeitet.

Psychosoziale Gesundheit

Im Jahr 1948 definiert die Weltgesundheitsorganisation Gesundheit als “Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur des Freiseins von Krankheit und Gebrechen.”

Das sind starke Annahmen, die in dieser idealen Form wohl nur im Reagenzglas anzutreffen sind. Deshalb ist man dazu übergegangen, das ideale Extrem als Pol auf einem Kontinuum zu sehen, und reale Gesundheit als ein körperlich, psychisch und sozial mehr oder weniger ausgeprägtes Wohlbefinden, in Bezug auf Leistungsfähigkeit, Selbstverwirklichung und Sinnfindung.

Ein so erweitertes Gesundheitsmodell schließt über körperliche Prozesse bereits psychosoziale Aspekte mit ein.

Spirituelle Gedanken zur Gesundheit

Ein Risiko einer Konsumgesellschaft ist das Verlieren von Sinnerleben, dem verwurzelten Gefühl, eine sinnvolle Existenz zu führen. Der humanistische Psychiater Viktor Frankl nannte dies eine “noogene Neurose”, dem Leiden am sinnlosen Leben.

Dieses Problem könnte man als “jammern auf hohem Niveau” abtun, jedoch ist Sinnfindung ein grundlegendes Bedürfnis des Menschen, in dessen Berücksichtigung eine Möglichkeit der Gesunderhaltung und Entwicklung von Spiritualität liegt.

Auf einen Satz reduziert ist Spiritualität die Einsicht, dass den materiellen Erscheinungsformen eine weitere, höher geordnete Realität inne wohnt. Dies ist in Platons Höhlengleichnis veranschaulicht. Eine Essenz der Weltreligionen ist, dass jedes Lebewesen einen “göttlichen Funken” in sich trägt, der mehr aus ihnen macht, als die Summe aller biologischen Prozesse. Ein respektvoller Ausdruck dessen ist die hinduistische Geste des Namaste, die in Ghandis Worten folgendes bedeutet: „Ich ehre den Platz in dir, in dem das gesamte Universum residiert. Ich ehre den Platz des Lichts, der Liebe, der Wahrheit, des Friedens und der Weisheit in dir. Ich ehre den Platz in dir, wo, wenn du dort bist und auch ich dort bin, wir beide nur noch eins sind.“

Menschen haben das tief verwurzelte Bedürfnis, materielles und spirituelles Erleben unter einen Hut zu bekommen, was zu einem Gefühl der Ganzheit werden kann. Gesundheit schließt demnach die Fähigkeit ein, einen Sinnzusammenhang zwischen materiellen, fühlenden, denkenden und spirituellen Ebenen herstellen und aufrecht erhalten zu können.


Nun haben Menschen ganz unterschiedliche Bedürfnisse, und vielleicht wenig Lust, sich Gedanken über Sinnfragen zu machen. Vielleicht kann man sich Gesundheit wie ein Haus mit mehreren Zimmern der Erlebensbereiche vorstellen: In einigen Zimmern wohnen wir gern und ausgiebig, andere erscheinen langweilig, sind zugerümpelt oder die Tür ist gar verschlossen oder zugestellt. Die Gesundheit ist umso stabiler und umfassender, je mehr von den Zimmern bekannt, zugänglich, bewohnbar oder gar gemocht werden.

Gesundheit umfasst also alle Lebensbereiche des Menschen und ist eine Basis für Wohlbefinden und Entwicklung.

Um aktiv für die eigene Gesundheit Verantwortung übernehmen zu können, gibt es zahlreiche Bücher und Artikel. Gerade bei spontan auftretenden Fragen bieten sich im Internet verfügbare Gesundheitsratgeber an, die schnell und unkompliziert Fragen zu Gesundheitsthemen beantworten. Dabei sollte der Leser jedoch nicht die Eigenverantwortlichkeit aufgeben und den genannten Tipps blind vertrauen. Oft handelt es sich bei den Tippgebenden nicht um Mediziner, sondern um hilfsbereite Laien. Gute Erfahrungen habe ich bislang mit den Gesundheitstipps auf gutefrage.net gemacht.


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